Ein Zeichen für globale Verbundenheit und die Sorge um das gemeinsame Haus

04.06.2025 |

Vom 14. – 27. Mai durfte die Erzdiözese Freiburg zwei Gäste aus dem peruanischen Amazonas willkommen heißen:

Dante Sejekam Espejo, Awajún und Präsident der Indigenenorganisation ODECOFROC, engagiert sich gegen die Ausbreitung des illegalen Goldabbaus in den Flüssen der Amazonasregion im Norden Perus sowie die Entwicklung alternativer Strategien und sucht dabei nationale und internationale Allianzen.
 
Sonia Pastor setzt sich als Leiterin der Sozialpastoral des Vikariats Jaén aktiv für den Schutz der Menschenrechte und eine ganzheitliche Entwicklung der indigenen Gemeinschaften ein. 
 
Die Begegnung hier in Deutschland ist ein Zeichen für die Verbundenheit zwischen der Erzdiözese Freiburg und der katholischen Kirche Perus. Im Vordergrund der langjährigen Perupartnerschaft steht die Solidarität mit den Geschwistern auf einem anderen Kontinent, insbesondere mit den Ärmsten der Gesellschaft. Solidarität heißt dabei nicht, ein bisschen vom eigenen Überfluss abzugeben, sondern vielmehr das Begreifen anderer Lebensrealitäten und das voneinander Lernen, um uns so gemeinsam für eine gerechtere Welt und den Erhalt der Schöpfung einzusetzen.
 
Der Erhalt der Schöpfung, konkret der Amazonasregion im Norden Perus entlang der Flüsse Cenepa und Santiago, sowie die Verteidigung der Rechte der dort lebenden indigenen Gemeinschaften der Awajún und Wampi war ein zentrales Anliegen der Reise. Was im Amazonas-Regenwald passiert, steht in  direktem Zusammenhang mit der globalen Erderwärmung, von der unser Partnerland Peru in besonderem Ausmaß  betroffen ist, die wir aber auch in Deutschland zunehmend zu spüren bekommen.
 
Im Cenepa-Flussbecken breitet sich der illegale Goldabbau und -schmuggel mit beispielloser Geschwindigkeit aus und wird durch den weltweiten Ressourcenhunger sowie den Anstieg der Goldpreise weiter angeheizt.  Seit über einem Jahrzehnt wird hier illegal Gold aus den Flüssen und Wäldern in den angestammten indigenen Gebieten der Amazonasregion gewonnen und hat der organisierten Kriminalität, Waffen- und Menschenhandel, Kinderprostitution und Morden sowie Umweltverbrechen Vorschub geleistet. Zwischenzeitlich wird in dem Gebiet auch Kokain produziert, der Widerstand der Awajún wird mit massiver Waffengewalt niedergeschlagen.
 
Indigene Organisationen, wie ODECOFROC (Organización de Desarrollo de las Comunidades Fronterizas del Cenepa), haben sich zur Selbstverteidigung und zur Überwachung der Flüsse organisiert und ergreifen Maßnahmen, um den illegalen Bergbau zu stoppen. Die Zentralregierung scheint weder willens noch ausgestattet zu sein, um der Bedrohung entgegenzutreten, die nicht nur die nationale Sicherheit, sondern auch das Überleben der indigenen Gemeinschaften im Cenepa gefährdet. Die Kirche - sowohl vor Ort als auch international - ist einer der wenigen Akteure, welche die Menschen im Kampf um ihre Lebensgrundlage unterstützt.
 
Das Referat Weltkirche der gastgebenden Erzdiözese Freiburg hatte im Vorfeld zu einer Reihe von Veranstaltungen und Zusammentreffen mit den peruanischen Gästen geladen, die alle auf großes Interesse trafen. Auf dem Programm standen Begegnungen an Schulen in Villingen und Offenburg, das diözesane Partnerschaftstreffen, Vorträge und Diskussionen in Freiburg, Mannheim und Stuttgart sowie Zusammentreffen mit Vertreterinnen kirchlicher Hilfswerke und den weltkirchlichen Abteilungen anderer Diözesen. In Kooperation mit Misereor konnten zudem Termine mit politischen Entscheidungsträgern in Berlin  realisiert werden.

Neben der Information über die Situation in Amazonas stand bei allen Zusammenkünften die Überlegung im Vordergrund, wie wir der Ressourcenausbeutung nicht nur im Amazonas, sondern grundsätzlich im globalen Süden entgegenwirken und was wir in Deutschland tun können, um die Lebensgrundlagen und die Würde der dort lebenden Menschen zu schützen. Dabei wurden auch Überlegungen über mögliche Projekte durch die Kirche und ihr Hilfswerke angestellt.
 
S. Valenzuela